Weltvergessenheit

Ca. 5 Millionen Gäste besuchen die Stadt Frankfurt am Main jedes Jahr. Fast jeder stattet dem traditionsreichen Römerberg einen Besuch ab. Zu jeder Tages- und Nachtzeit trifft man dort unzählige Menschen an. Um so überraschter war ich im vergangenen August, nachmittags diesen ungestörten Moment innerer Einkehr zu finden.

Römerberg, Frankfurt a.M., August 2017
Römerberg, Frankfurt a.M., August 2017
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Portraits mit Thekla Ehling

Die Sommerakademie des Fotografie Forums Frankfurt ist mir zu einer festen Institution geworden. Ich versuche jedes Jahr mindestens einen dieser Wochenend-Workshops zu belegen. Renommierte Fotografen sind nicht einfach nur eine fachliche Bereicherung – die Begegnung mit den Referenten und Teilnehmern gibt so viele Einblicke in Lebensläufe und -perspektiven, dass man sich am Montag danach für das Verarbeiten Zeit lassen sollte.

In dem vergangenen Workshop mit Thekla Ehling ging es um Menschen und Portraits. Die gedankliche Annäherung an das  Thema erschöpft sich schnell in Ansätzen wie „das Wesen eines Menschen festzuhalten“ (Friedrich Dürrenmatt) oder „Portraits spiegeln nur die subjektive Sichtweise des Fotografen wider“ (Richard Avedon).

Mein eigener Standpunkt dazu entspricht meinem fotografischen Leitmotiv „We don’t see things as they are, we see them as we are.“ (Anaïs Nin) Die Basis eines guten Portraits ist das Vertrauen zwischen dem Fotografierten und dem Fotografen. Wenn man davon etwas im Bild sehen kann, ist schon viel erreicht. Alles andere ist die Interpretation des Betrachters. Zwei Menschen, zu denen ich am Wochenende Vertrauen gefasst habe, sind Peter und Ben.

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Auf Bento.de veröffentlicht: Von der Religionsstudentin zur Schuhmacherin – Luisa Grundmann

Ich habe die ehemalige Studentin der Religionswissenschaften 2016 kennen gelernt. Sie hat vor einigen Jahren ihr Studium abgebrochen, um in der Maßschuhmacherei von Jürgen Dohn das Schuhmacherhandwerk zu erlernen. Im vergangenen Jahr hat Luisa ihren Meisterbrief erworben und wurde für ihre Arbeit von der Frankfurter Handwerkskammer als hessische Landessiegerin ausgezeichnet. Über ihren Lebenslauf berichtet die Journalistin Mareike Enghusen auf bento.de, die Portraitbilder von Luisa Grundmann habe ich während meines Projekts über die Schuhmacherei aufgenommen. Im April hat sie ihre eigene Werkstatt eröffnet.

http://www.bento.de/future/wie-werde-ich-schuhmacher-luisa-war-religionsstudentin-dann-schuhmacherin-1270851/

Bahnhofsviertel, Frankfurt

Cordovan — Carmen Weber, 2016


Bars, Banken und Bordelle neben Händlern für Gemüse oder SIM-Karten. Kleine und große Gangster. Neonlichter auf Asphalt. Das Bahnhofsviertel am Main bietet mehr.

Wenn von der Nacht nur graue Schatten bleiben, öffnet Jürgen Dohn die breite Glasfront zu seiner Werkstatt. Er lebt für seine Arbeit und für sein Viertel. In den Geruch von Leder mischt sich der von Holz und Maschinenöl.

Feinstes Cordovan wird hier auf Leisten gezogen und solange bearbeitet, bis es auf nur ein Paar Füße passt. „1000 Schläge braucht ein Schuh.“ Das ist Jürgen Dohns Lieblingssatz.

Der 49-jährige Handwerker fertigt edle Maßschuhe. Mit Leidenschaft und Geduld taucht er ab in seine eigene Welt der ruhigen, konzentrierten Handgriffe. Ein völliger Gegensatz zum hektischen Puls der Stadt.